TV Training und der Mythos der „Red Zone“ Hunde

Immer wieder höre ich, dass bei schwierigen Hunden, im TV Training auch oft als „Red Zone“ Hunde betitelt, positives Training nicht funktioniert und man hier eine harte Hand braucht um sich durchzusetzen und dem Hund beizubringen was er (nicht) zu tun hat.

 

Aber warum hält sich diese Meinung in vielen Kreisen so hartnäckig?
Im Fernsehen sieht man leider sehr oft, wie Hunde zu Boden gedrückt, geschlagen, physisch und auch psychisch bedrängt werden oder mit tierschutzrelevanten Hilfsmitteln wie Würgehalsbändern und Stromreizgeräten malträtiert werden.
Und was man im Fernsehen sieht kann ja wohl nur richtig sein! Stimmt‘s?

 

Das Fernsehen zielt darauf ab, dass Training mit Hunden so spektakulär wie möglich darzustellen und vermittelt oft den Eindruck, dass diese Methoden gerechtfertigt sind.
Es wird uns suggeriert, dass diese sogenannten „Red Zone“ Hunde so aggressiv sind, dass man sie mit diesen drastischen Methoden konfrontieren muss und sie nur so „therapiert“ und „gerettet“ werden können.
Eine bekannte deutsche Band hat allerdings schon gesungen „Gewalt erzeugt Gegengewalt,…“

 

Mittlerweile gibt es genügend wissenschaftliche Studien und Erkenntnisse, die belegen, dass strafbasiertes Training weder erfolgsversprechend noch tierschutzgerecht ist.
Im Gegenteil – durch Gewalt im Umgang mit Hunden steigt die Wahrscheinlichkeit, dass der Hund unberechenbar und zur „tickenden Zeitbombe“ wird.

 

Hunde kommunizieren hauptsächlich über ihre Körpersprache mit Hilfe sogenannter Beschwichtigungssignale. Sie sind Meister der Deeskalation und versuchen in der Regel Konflikte so gut es geht zu vermeiden.

 

 

Werden die ersten Anzeichen von Unwohlsein und Beschwichtigung ständig ignoriert oder sogar gestraft kann es dazu kommen, dass der Hund die subtileren Signale nicht mehr zeigt und „aus dem Nichts“ zubeißt, weil er gelernt hat, dass seine Versuche die Situation zu entschärfen nichts bringen.

 

Es ist wichtig zu verstehen, dass jedes unerwünschte Verhalten eine Ursache hat und kein Hund aus Trotz oder uns zum Fleiß aggressives Verhalten zeigt.
Aggressionsverhalten gehört zum Repertoire jeden Hundes und ist grundsätzlich Normalverhalten. Es dient dem Hund in der Regel dazu mehr Abstand zu einem für ihn ängstigenden oder bedrohlichen Reiz zu gewinnen.
In vielen Fällen hat aggressives Verhalten seinen Ursprung in Angst oder Unsicherheit und der Hund hat einfach über die Zeit gelernt, sich durch dieses Verhalten Dinge, die er als unangenehm empfindet, fern zu halten.
Auch gesundheitliche Aspekte und Schmerzen sollten bei Aggressionsverhalten nicht außer Acht gelassen werden.

 

Allgemein, und gerade bei Verhaltensschwierigkeiten, ist es für ein erfolgreiches Training wichtig die Bedürfnisse des Hundes zu verstehen und entsprechend zu berücksichtigen.
Professionelles Training geht individuell auf Hund und Mensch ein und widmet sich ganzheitlich dem unerwünschten Verhalten, nicht nur den offensichtlich sichtbaren Auswirkungen.
Durch gewaltfreies Training werden die Emotionen und Assoziationen beim Hund positiv verändert. Die Trainings werden so gestaltet, dass der Hund sich wohl fühlt: nur so kann der Hund lernen und eine langfristige Verhaltensänderung stattfinden.

 

Am Ende ist es wichtig, dass der Hund sich auf uns als Halter und Bezugsperson verlassen und uns vertrauen kann.

Kein Verhalten und auch keine bestimmte Rasse rechtfertigen jegliche Gewalt im Umgang mit Hunden!

„Wer sagt, dass zuverlässiges Verhalten bei diesem oder jenem Hund nicht ohne Strafe erreichbar ist, sagt nichts über den Hund aus, sondern beschreibt erst einmal seine eigenen Fähigkeiten.” – Ute Blaschke Berthold

 

Dieser Artikel erscheint im Rahmen der Blogparade 2018 zur Aktion “Tausche TV-Trainer-Ticket gegen Training” der Initiative für gewaltfreies Hundetraining. Seit 2014 tauschen über 200 TrainerInnen aus Österreich, Deutschland und der Schweiz gebrauchte TV-Trainer-Tickets für ein halbes Jahr nach der Veranstaltung gegen eine Gratis-Trainingsstunde.
Nähere Infos dazu gibt es hier.

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